Haus Rheinfrieden

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    Lehrer und Schüler lesen in einem Buch
    25.11.15 09:02 Alter: 2 yrs
    Kategorie: Top News, Haus Rheinfrieden Pressemitteilungen
    25.11.15

    WDR-Sprecher Eckhard Leue liest das „Rosie-Projekt“

    Vorlesetag am Nell-Breuning-Berufskolleg


    Eckhard Leue, Sprecher im Medienpool des WDR, war am bundesweiten Vorlesetag (Freitag, 20.11.2015) zu Gast im Nell-Breuning-Berufskolleg in Haus Rheinfrieden in Rhöndorf. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ist Kooperationspartner unserer Schule. Eckhard Leue las vor 120 begeisterten Schülern aus dem Bestseller des australischen Autors Graeme Simsion „Das Rosie-Projekt“. Mit Intonation und Sprachmelodie fesselte er sein junges Publikum und stellte ihm mit seiner fulminanten Lesung den merkwürdigen Erzähler Donald Tillman vor.

     

    Warum finden Frauen diesen Mann bloß unattraktiv? Donald Tillman sieht gut aus, er ist 39, durchtrainiert, intelligent und als Professor im Fachgebiet Genetik in gehobener Position mit überdurchschnittlichem Einkommen. Trotz all dem hat Don ein »Partnerin-Problem«. Schon Freundschaften zu schließen fällt ihm schwer. Was für ein persönlicher Mangel auch immer dahintersteckt: »hinsichtlich romantischer Beziehungen« wirkt er sich besonders nachhaltig aus. Don ist Autist mit Asperger-Syndrom und sich seiner neurologischen Besonderheit selbst nicht bewusst. Dons Alltag ist im Minutentakt durchorganisiert. Verzögerungen in Folge von Unpünktlichkeit muss er durch weitere Optimierung aufholen. Rigide Ordnung beherrscht auch seine Wohnung. Die Speisekammer ist nach einer Standardmenüfolge für jeden Tag der Woche eingeräumt. (Jeden Mittwoch kocht er »Hummer-Mango-Avocado-Salat mit Fliegenfischkaviar in Wasabi, kross geröstetem Seegras und frittierter Lauchgarnierung«.) Sein gesamtes Leben ist zeit- und kosteneffizient optimiert. Bilder an der Wand? Das kann man kostengünstiger haben, wenn man eine Galerie besucht. Er fasst seine Erkenntnisse über sich, etwa einen »Mangel an Empathie« als »Symptome des Autismus-Spektrums« nüchtern zusammen: »Ich war anders konfiguriert«. Erst als Rosie in sein Leben tritt, ändert sich einiges.

     

    »The Rosie Project« von Graeme Simsion (übersetzt von Annette Hahn) ist die zarte und humorvolle Liebesgeschichte zweier maximal ungleicher Menschen. Der Handlungsverlauf ist einfach und vorhersehbar, unerwartete Spannungselemente bleiben aus. Die Sprache ist schlicht, aber der Duktus kann sich stellenweise querstellen, wenn der Autor seinem Ich-Erzähler freies Spiel lässt. Es ist eben die Perspektive eines Autisten, die in ihrer Logik anstößt und verfremdet. »Das Rosie-Projekt« ist ein leiser Roman, der mit Empathie für Menschen, die »anders« sind, und auch zwischen den Zeilen gelesen werden will.

     

    Eckhard Leue hat Don Tillman in seiner professionellen Lesung Leben eingehaucht, eine sprachliche und schauspielerische Leistung erster Güte, die vom WDR ermöglicht wurde und nach Wiederholung schreit. Mit lang anhaltendem Applaus wurde er verabschiedet. Herzlichen Dank, WDR und Eckhard Leue!