Haus Rheinfrieden

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    Lehrer und Schüler lesen in einem Buch
    26.11.14 13:47 Alter: 3 yrs
    Kategorie: Top News, Haus Rheinfrieden Pressemitteilungen
    26.11.14

    Wissen, was wirkt.


    BUZ: v.l.n.r.: Christian Ahlers (DRVK Westfalen), Prof. Dr. Christian Bernzen von der Katho-lischen Hochschule für Sozialwesen Berlin), Benedikt Queins, Gitta Bernshausen (Sozialwerk St. Georg) Dr. Theodor-Michael Lucas (Gf. JG-Gruppe), Hardy Müller (WINEG Hamburg), Manfred Schulte (Gf. Josefs-Gesellschaft).

    Wie lässt sich die Wirksamkeit von Sozialleistungen definieren und messen? Zu die-sem Thema fand am vergangenen Freitag und Samstag der 10. JG-Kongress im Gus-tav-Stresemann-Institut in Bonn statt. 160 Mitarbeiter der Josefs-Gesellschaft nahmen daran teil.


    Interessante Perspektiven, jede Menge Impulse und angeregte Diskussionen gab es beim JG-Kongress, den die Josefs-Gesellschaft (JG) alle zwei Jahre für ihre Mitarbeiter ausrichtet. Das Thema in diesem Jahr: „Wissen, was wirkt“ – bezogen auf soziale Leistungen aus den Bereichen Rehabilitation, Medizin und Altenhilfe. 160 der insgesamt 6.600 JG-Mitarbeiter waren vertreten, von der Pflegekraft bin hin zum Geschäftsführer. Auch Mitglieder der Selbstvertretungsgremien in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen – zum Bei-spiel Bewohnerräte und Werkstatträte – nahmen teil.


    „Wer über die Wirksamkeit von Sozialleistungen spricht, muss sich zunächst einmal darüber im Klaren sein, was er unter Wirksamkeit versteht“, betonte Dr. Theodor-Michael Lucas, Sprecher der JG-Geschäftsführung, in seiner Begrüßungsrede. So sei das, was ein Leis-tungsträger unter Wirksamkeit verstehe, nicht zwangsläufig dasselbe wie die Wirksamkeit aus der Sicht eines Sozialunternehmens oder eines Betroffenen. Die verschiedenen Perspektiven stellten die geladenen Referenten dar: Der NRW-Landesbehindertenbeauftragte Norbert Killewald, Prof. Dr. Christian Bernzen von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, Thomas Keck und Christian Ahlers von der Deutschen Rentenversicherung Westfalen (Münster), Hardy Müller vom Wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen sowie Gitta Bernshausen vom Sozialwerk St. Georg (Gelsenkirchen). Eine übergeordnete gesamtgesellschaftliche Einordnung kam von Unternehmensberater Benedikt Queins.


    „Wenn wir nachhaltig und auch künftig noch helfen wollen, müssen wir auch wirtschaftlich denken, und das bedeutet: Unsere Ressourcen so passgenau, sparsam und effizient wie möglich einsetzen“, sagte JG-Geschäftsführer Manfred schulte. Und um zu wissen, wie wirk-sam etwas sei, müsse man es auch messbar machen. „Das erwarten unsere Leistungsträger von uns, und dahin sind wir schon auf einem guten Weg“, so Schulte.
    Betroffene wollen „Subjekt“ sein
    Dazu meinte Prof. Dr. Christian Bernzen: „Mindestens genauso wichtig wie die Darstellung von Zahlen und Fakten ist es, die Menschen hinter dem Fall zu beschreiben und den Leis-tungsträgern, die ja auch Menschen sind, zu zeigen: Hier geht es um eine ganz reale Person und ihr Schicksal!“ Seiner Ansicht nach solle man sich nicht zu sehr auf ausgeklüngelte, de-taillierte Fragebögen konzentrieren, sondern auch die menschliche Ebene der Kommunikation beachten und nutzen. „Ob sich Menschen wohlfühlen und ob sie etwas gut oder schlecht finden, hängt entscheidend davon ab, wie man mit ihnen kommuniziert“, so Bernzen.


    Der Landesbehindertenbeauftragte Nordrhein-Westfalens, Norbert Killewald, betonte, die Perspektive der Betroffenen selbst müsse höchste Priorität haben. „Wenn Leistungsträger  und Leistungserbringer alleine entscheiden, bedeutet das eine Entmündigung der Menschen mit Behinderung“, kritisierte Killewald.  „Dann sind wir Objekt. Wir wollen aber Subjekt sein.“
    „Es geht nicht um richtig oder falsch“
    Gitta Bernshausen stellte eine Methodik zur Messung der Wirksamkeit aus Sicht der Betrof-fenen dar, die auch von der Josefs-Gesellschaft bereits genutzt wird: Personal Outcomes Scale (POS). Die Fragebögen berücksichtigen die acht Domänen „Persönliche Entwicklung“, „Selbstbestimmung“, „Soziale Beziehung“, „Soziale Inklusion“, „Rechte“, „Emotionales Wohl-befinden“, „Physisches Wohlbefinden“ und „Materielles Wohlbefinden“. „Uns ist wichtig, vom Ergebnis her zu denken“, erklärte Bernshausen. „Zuerst das Ziel zu definieren und dieses im Auge zu behalten, und sich nicht in Details zu verlieren.“ Hardy Müller wies darauf hin, dass man nicht immer im Voraus wissen könne, was wirkt. „Von 101 vielversprechenden medizini-schen Innovationen bleibt nur eine übrig, die sich bewährt und häufig verwendet wird.“
    „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“, zitierte Benedikt Queins am zweiten Kongresstag den Philosophen Alfred Korzybski. Er verglich die Perspektiven auf die Wirksamkeit – die des Sozialunternehmens, des Finanziers und des Klienten – mit drei verschiedenen Landkarten. „Wenn wir wirksame Systeme bauen wollen, müssen wir uns zum Teil auch auf fremde Landkarten, auf fremde rationale Systeme verlassen“ so Queins. „Es ist ernst zu nehmen, was andere auf ihrer Landkarte haben, und es geht nicht darum, ob es richtig oder falsch ist.“


    In Arbeitsgruppen wurden die Vorträge von den Kongress-Teilnehmern diskutiert. Außerdem stellten sie Kriterien zur Messung von Wirksamkeit zusammen. Eine ausführliche Kongress-Dokumentation wird Anfang des Jahres 2015 im Internet zur Verfügung stehen.